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Freimaurerloge 'Schiller'

Startseite arrow Logengeschichte arrow II. Die Struktur der deutschen Freimaurerei 28.03.2017

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II. Die Struktur der deutschen Freimaurerei Drucken

Die Entwicklung der Freimaurerei in Deutschland ist ziemlich komplizierte Wege gegangen, von einer einheitlichen Entwicklung konnte keine Rede sein. Sie ist eine Geschichte der Irrungen und Wirrungen, des oft mäßigen Streits um formale Dinge und verzweifelte Auseinandersetzung um eine bessere Organisationsform, eine Geschichte von Zweifel und Resignation, von Versuchung durch Selbstherrlichkeit, aber ebenso auch von Selbstüber­windung, von immer neu gefaßtem Mut und von unbeirrbarem Glauben an die trotz aller Anfechtung unzerstörbare Idee der alten Bruderschaft. Sie ist in ihrer Vielgestaltigkeit nicht einfach zu charakterisieren. Die historische Entwicklung hat Konturen vielfach schärfer hervortreten lassen und stärkere Unterscheidungsmerkmale begründet, als sie in anderen Ländern zu finden sind. Diese haben sich in der Weimarer Zeit womöglich noch vertieft. Das Bild verkörpert durchaus keine grandiose Einheit, sondern bietet im Gegen­teil ein Bild der Zerrissenheit. Ja viel mehr noch: ihre Obedienzen sind voneinander fast so verschieden und geschieden wie die Kirchen. Was ihnen gemeinsam ist, ist lediglich die Idee, oder besser gesagt: die Symbolik, die diese Idee umschließt und in besonderer, an die alten Mysterienbünde gemahnender Form gepflegt wird.


Die deutschsprachige Bevölkerung lebte bis zu Anfang des 19. Jahr­hunderts in verschiedenen größeren und kleineren Staaten im Verband des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, von der Voltaire sagte, daß sie weder heilig noch römisch noch ein Reich wäre. Über jeden dieser Zwergstaaten herrschte ein König, Fürst oder Großherzog oder ein anderer lokaler Regent mit welchem Titel auch immer. Erst Napoleon erzwang eine Neuordnung, bis nach einem weiteren langen Weg im Jahre 1871 ein neues Deutsches Reich entstehen konnte.


Den jeweiligen Landesteilen entsprechend wurden unterschiedliche Beziehungen zu anderen Ländern gepflegt. Das erleichterte, daß sich ver­schiedene maurerische Lehrarten festsetzen konnten. Hinzu kommt, daß die maurerische Ideenwelt und die sich daraus ergebenden Probleme auf deut­schem Boden wie nirgendwo anders Gegenstand des Grübelns und For­schens wurden. Daraus und aus der Verschiedenheit dieser Lehrarten entstanden jene Schwierigkeiten, die bis zu einer Einigung überwunden werden mußten.


Rein äußerlich betrachtet zerfiel die Freimaurerei in zwei Gruppen, die in den verschiedensten Großlogen organisiert waren. Auf der einen Seite die „christlich“ orientierte Maurerei der drei altpreußischen Großlogen, die die Aufnahme in ihre Bauhütten vom christlichen Bekenntnis abhängig machten und den Johannisgraden Hochgrade oder doch Erkenntnisstufen angegliedert haben; andererseits die „humanitäre“, in Anlehnung an das altenglische Brauchtum aufgebaute, nur in drei Johannisgraden arbeitende Freimaurerei, die nicht nach dem Glaubensbekenntnis des Suchenden fragt, sondern diesen nur nach seiner Persönlichkeit wertet.


Die sprachliche Abhebung „humanitär“ von den „christlich“ gepräg­ten Lehrarten (System, Ritus) wird außerhalb des deutschen Sprachraumes weder verwendet noch verstanden. Der Begriff „Humanität“ ist natürlich in alle freimaurerische Systeme eingeschlossen; führte jedoch zu manchen Mißverständnissen. Der gegenwärtige Stand ist der, daß in allen deutschen Großlogen Männer jeden Glaubens aufgenommen werden, also auch in den früher als „christlich“ bezeichneten; selbst in der „Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland“ (Freimaurerorden), die am längsten an diesem Begriff festgehalten hat, wird nicht mehr das Bekennntnis „zur reinen Lehre Jesu Christi, wie sie, unbeeinflußt von der jeweiligen Zeit, in der Heiligen Schrift geoffenbart ist“ bei der Aufnahme vorausgesetzt. Freimaurerei ist eine Lebenseinstellung; sie zu begreifen ist mehr eine Frage der humanen Gesinnung als des Wissens oder religiöser Glaubensüberzeugung.


Mit „humanitati“, also „für den Menschen“, wird die allgemeine Geisteshaltung der Freimaurer angedeutet und die Zielrichtung ihrer Betäti­gung. Freimaurer versuchen, die Welt menschlicher zu gestalten. Dazu gehört zuerst Selbsterziehung zu Menschenliebe und Toleranz, sodann das Bemühen, beides im Bruder- und Familienkreis zu praktizieren und drittens der Versuch, die maurerische Humanität, also die Menschlichkeit in alle Bereiche zu tragen, mit denen der Maurer in Berührung kommt. Zur Ver­wirklichung gehört die Wahrung der Menschenrechte und Menschenwürde, die Forderung nach Gedanken- und Gewissensfreiheit, menschliche Aner­kennung ohne Ansehen der Rasse, der Geburt oder des Standes und der Religionszugehörigkeit. Eine Sonderstellung nimmt der in allen westlich orientierten Ländern verbreitete, in 33 Grade organisierte „Alte und Ange­nommene Schottische Ritus“ ein, vertreten durch die jeweiligen „Obersten Räte“, der in Deutschland nach einem Abkommen mit der Großloge AFuAM nicht die Johannisgrade, sondern nur die Grade 4 bis 33 bearbeitet, wobei der letzte Grad ein reiner Verwaltungsgrad darstellt.

 

 
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