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Freimaurerloge 'Schiller'

Startseite arrow Logengeschichte arrow V. Die Reformloge „Glückauf zum Licht“ 16.12.2017

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V. Die Reformloge „Glückauf zum Licht“ Drucken

Humanistisch eingestellte Freimaurer gründeten am 30. April 1908 in der industriell aufstrebenden Industriestadt Essen, die seit 1896 mit über 100.000 Einwohner zur Großstadt avanciert war, eine neue Loge mit dem Namen „Glückauf zum Licht“. Diese erste Vorgänger-Loge der heutigen Johannisloge „Schiller“ unterstellte sich dem damaligen Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne“ in Nürnberg, die der monistischen Weltanschauung verpflichtet war, ihren Brüdern jedoch keine dogmatischen Zwänge aufer­legte. Sie lehnte aus diesem Geist der Freiheit die verpflichtende Anerken­nung des Prinzips eines „Allmächtigen Baumeisters aller Welten“ ab und war damit in den Augen der Weltfreimaurerei irregulär.


Was Monismus eigentlich bedeutet ist heute kaum noch jemandem geläufig. Die Formulierung stammt aus dem Ernst Haeckel philosophischen Begriffsarse­nal und ist außerordentlich mehrdeutig. Der Monismus geht davon aus, daß die Welt und alles, was dazugehört, aus einer einheitlichen Grundsubstanz besteht, nach der Formel: alles ist eins; also eine Einheitslehre im Gegensatz zum Dualismus. Um die Jahrhundertwende hatte der Biologe Prof. Dr. Ernst Häckel (1834-1919), ein leidenschaftlicher Mitstreiter von Charles Darwin (1809-1882), und wirkungsmächtiger Wegbereiter der Evolutionstheorie, mit seinem Buch „Die Welträtsel“ ungeheueres Aufsehen erregt. Es kam zu breitester Wirkung und wurde durch den von ihm im Jahre 1906 gegründe­ten „Monistenbund“ kulturpolitisch vertreten. Die Loge arbeitete danach auf dem Boden voraussetzungsloser wissenschaftlicher Forschung, die nur die Naturgesetzlichkeit anerkennt, übernatürliche Eingriffe ablehnte und damit auf dem Boden des so verstandenen Monismus stand.


Ihre Einstellung zu den anderen bestehenden Großlogen war einfach und klar: Man lehnte grundsätzlich alle christlich orientierten Logen ab und warf den anderen humanitären Logen ihre meist streng konservativ-monar­chistische Einstellung vor, sowie den oft stark protestantisch-kirchlichen Einschlag. Im Laufe der Zeit gewöhnte man sich daran, von „Altlogen“ zu sprechen und sich selbst als „Reformloge“ zu sehen.


Bezüglich der Organisation bestand die Loge aus dem „Inneren Orient“ und dem Freundschaftskreis. Aufnahmen erfolgten zunächst form­los, indem der Eintrittswillige an internen Veranstaltungen teilnahm und somit als Bruder bezeichnet wurde. Die Arbeitsweise entsprach dem der regulären Logen: Ritualarbeiten in Form von Rezeptions-, Trauer-, Instruk­tions- und Beratungslogen, Vortragsabende für die geistige Arbeit, zwang­lose gesellschaftliche Zusammenkünfte, Musikabende und weitere besonde­re Festabende mit Damen, gelegentlich als Schwesternfeste und sogar als Schwesternlogen bezeichnet; selbstverständlich waren dies keine rituellen Arbeiten. Die Feste im Jahreslauf waren vielfältig: Feiern zum höchsten (21. Juni) bzw. tiefsten (22. Dezember) Sonnenstand, Frühlings- und Win­terfeste. Die Sonnenwendfeier, vielfach mit Feuerwerk und Sonnenwend­feuer, entsprach natürlich dem sonst üblichen Johannisfest. Namengebung und Ablauf erinnern an altgermanische Bräuche, um diese Zeit auch von verschiedenen Jugendorganisationen in gleicher oder ähnlicher Weise begangen. Soweit erkennbar beschränkten sich karitative Aktivitäten auf die Almosenkasse und einen Unterstützungsfond, wohl für Logenmitglieder und deren Angehörige gedacht, wozu auch ein besonderer Familienbeirat gewählt wurde.


Das erste Logenhaus Die Bruderschaft setzte sich mit gelegentlichen Schwankungen aus 40 bis 50 Mitgliedern der intellektuellen Mittelschicht mit offensichtlich zum Teil begüterten Kaufleuten zusammen. Von Anfang an war man daher bestrebt, in einem eigenen Haus zu arbeiten, wozu ein Baufonds gestiftet wurde. Bald fand man auch eine günstige Gelegenheit und konnte ab 1. Januar 1913 das Anwesen Pilotystraße 59/61 als Versammlungslokal zu einem jährlichen Mietpreis von 1200 Mark anmieten.

Die Essener Neugründung besaß die Rechte und Pflichten einer Orts­loge für den hiesigen Stadt- und Landkreis mit der Befugnis Tochterlogen zu gründen. 1910 etablierte sie als Mutterloge in Gelsenkirchen ein Frei­maurer-Kränzchen „Glückauf zur Tat“, einige Monate später von der Groß­loge konstituiert. 1913 schlossen sich die in Duisburg wohnenden Brüder zu einem Kränzchen „Empor“ zusammen, das unter Leitung der Essener Loge arbeitete. Ein Höhepunkt im Logenleben war die Ausrichtung und Leitung des Großlogentages des Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne am 27./28. Juli 1918 durch die Essener Bauhütte. An der am 28. Juli stattfinden­den Festloge im Logenhaus Pilotystraße nahmen 102 Brüder unter der Leitung des deputierten Meisters Br: Josef Schuh teil. Nach vierjähriger Kriegszeit immerhin ein gewagtes Unternehmen, da wegen der allgemein schlechten Versorgungslage das gemeinsame Brudermahl ausfallen mußte.


Bereits zwei Jahre nach der Logengründung kam es zu einem Austritt von Brüdern mit der Absicht, im nahegelegenen, zu jener Zeit noch nicht eingemeindeten Borbeck eine weitere Reformloge mit dem Namen „Eos“ zu gründen. Über den Anlaß können nur Vermutungen angestellt werden. Viel­leicht ging es den austrittswilligen Brüdern, offensichtlich jüngeren Alters, mehr um den „Monismus“ als um die „Freimaurerei“. Man einigte sich jedoch brüderlich. Während der Kriegszeit 1914/18 kam es dann zu einer Arbeitsgemeinschaft beider Logen mit dem Ziel einer Wiedervereinigung.


Diese Hoffnungen zerschlugen sich jedoch, als der aus dem Feld heimkehrende ehemalige Meister vom Stuhl Br: Pehl frühere Abmachungen ignorierte und die Großlogenvertreter eine Vermittlung rundheraus ablehn­ten. Aus Verärgerung über dieses Verhalten faßte die Bruderschaft einstim­mig den unwiderruflichen Beschluß, aus dem Freimaurerbund auszutreten und sich einer anderen Großloge anzuschließen. Sie begründete dies in Form eines Rundschreibens an alle anderen Schwesterlogen des Bundes mit dem unbrüderliStuhlmeister Dr. Josef Schuh chen Verhalten ihres Großmeisters Br: Dr. Weigt. Die gele­gentlich geäußerte Auffassung, die Irregularität sei der eigentliche Grund des Deckungsbeschlusses gewesen, trifft nach nunmehr zehnjähriger Bun­deszugehörigkeit offensichtlich nicht zu; es gibt in den Logenprotokollen nicht einen einzigen Hinweis, nicht eine einzige Bemerkung, daß die Bruderschaft unter diesem angeblichen Makel gelitten hätte und eine Regu­larität anstrebte. Daß sie sich nunmehr regularisierte war eigentlich mehr „Zufall“, d.h. sie hatte nur die Wahl im Verband des Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne zu verbleiben oder sich einer regulären Großloge anzu­schließen. Ihrer allgemeinen Geisteshaltung entsprechend wollte die Mehr­heit der Brüder nicht einer christlich orientierten Großloge, sondern der liberal-humanitären Bayreuther Großloge „Zur Sonne“ beitreten, da „sie uns innerlich nahesteht“, wie ihr langjähriger Stuhlmeister Br: Dr. Josef Schuh bemerkte. Allerdings war dies mit einigen Schwierigkeiten verbunden.


Eine neue Loge kann nur durch mindestens sieben reguläre Br: Meister gegründet werden. Als solche gelten nur Brüder, die als Mitglieder einer regulären Großloge angehört hatten und eine ordnungsgemäße Austrittsbestätigung vorweisen konnten. Da die Aufnahme eines Bruders in eine Loge nach erfolgter Kugelung stets individuell erfolgt, ist es logischer­weise unmöglich, eine bisher irreguläre Loge, d.h. eine in ihr vereinigte Anzahl von Brüdern, global aufzunehmen. Es mußte also jeder einzelne Bruder in einer regulären Loge wie ein Suchender mit Anmeldung, Aushang, vorgeschriebenen Einspruchsfristen und ritueller Kugelung aufge­nommen werden. Um die erforderlich werdende Regulierung der einzelnen Brüder durchzuführen, kam dazu in Absprache zwischen Br: Dr. Josef Schuh und dem Großmeister der Großloge „Zur Sonne“ Br: Dr. August Paret die benachbarte Bochumer Loge „Zum geschlossenen Buch“ in Frage. Die Brüder konnten dann nach der Aufnahme um ehrenvolle Entlassung aus ihrer neuen Loge nachsuchen, die sie natürlich erhielten, und dann ihrerseits eine neue Loge gründen, der sie nach ihren Wünschen einen beliebigen Namen geben konnten.


Dreißig Brüder ließen sich zunächst regularisieren: 9 im Meistergrad, 2 im Gesellen- und 19 im Lehrlingsgrad. Der dadurch verursachte, nicht gerade unbeträchtliche Kostenaufwand wurde aus der Logenkasse und durch eine Umlage bestritten. Weitere Brüder sollten zur Kostenminimierung in die neukonstituierte Loge aufgenommen werden. Von wenigen Ausnahmen abgesehen fanden alle Brüder der ehemaligen Loge „Glückauf zum Licht“ hier ihre neue maurerische Heimstätte.

 
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