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Freimaurerloge 'Schiller'

Startseite arrow Logengeschichte arrow VI. Die Loge „Freie Forschung und Duldsamkeit“ 01.05.2017

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VI. Die Loge „Freie Forschung und Duldsamkeit“ Drucken

Die erneuerte Gründungsurkunde Am 30. November 1919 war es soweit, das maurerische Licht wurde in die neue Loge eingebracht. Dieses Datum betrachtet die heutige Loge „Schiller“ als ihren eigentlichen Stiftungstag. Damit hatte sich das bisherige „häßliche Entchen und maurerische Kuckucksei“ unter dem Schutz einer regulären Großloge zu einem ganz ansehnlichen Vogel gewandelt und konnte nun­mehr auch in dem Tempel der Essener Loge „Alfred zur Linde“ Aufnahme finden. Die ehemaligen Anhänger einer „Reformloge“ ohne „Bratenrock“ arbeiteten nun bei feierlichen Tempelarbeiten und Meistererhebungen im Frack mit Binde und weißen Handschuhen. Die Großloge „Zur Sonne“ in Bayreuth war unter allen bestehenden deutschen regulären Großlogen die freiheitlichste, wie ihr Großmeister besonders herausstellte: „Von Anfang an lag in ihrem Wesen, dem Bedürfnis der Zeit entsprechend, ein gewisser frei­heitlicher Zug. Vom Humanitätsgedanken geboren, hat sie den Freiheitsge­danken aus der Taufe gehoben, beide Ideale, Humanität und Freiheit, hat sie gepflegt und gewahrt bis zum heutigen Tag, keine andere hat wie sie dem Zeitgeiste jeweils Rechnung getragen, keine war wie sie reformatorisch tätig, keine andere hat wie sie freiheitlichem Streben freie Bahn gelassen.“ Wichtig war wohl auch für die Brüder, daß sie ihr Ritual selbst bestimmen und ausbilden durften unter der Voraussetzung, daß der Bundesrat dasselbe als ein maurerisches anerkannte.

Natürlich beinhaltet der auf Vorschlag von Br. Schuh gewählte Lo­genname gleichermaßen eine Forderung und ein Programm; es ist, als wenn den ewigen Wahrheitsbesitzern mit Lessing  die stete Forderung nach freier Forschung und Toleranz zugerufen wird, auch den maurerischen Obedien­zen, die sich anmaßten, ein nahezu unfehlbares Lehramt ausüben zu können: eine Absage an die Gewißheit einer absoluten Wahrheit. 

Die Wahrheitsfrage ist nicht nur ein Erkenntnisproblem sondern auch ein psychologisches. Ge­wöhnlich fühlen sich die Menschen in einer Gemeinschaft wohl aufgehoben, in der ihnen die „Wahrheit“ mundgerecht serviert wird, ihnen die mühevolle Arbeit abgenommen wird nach ihr zu suchen; nicht so in der Freimaurerei.

Es besteht kein Zweifel, daß sich die Brüder der neugebildeten Loge mit ihrer Namenswahl deutlich von den nahezu dogmatisch verfestigten Ansichten der christlich orientierten Großlogen absetzten. Freie Forschung beruht auf der Maxime der Gedanken- und Gewissensfreiheit und eines jeden Maurers Pflicht ist es, im profanen Leben für dieses Grundprinzip einzutreten, sie mit allen gesetzlichen Mitteln herbeizuführen und ausbauen zu helfen, wo sie nicht besteht, und sie zu verteidigen, wo sie bedroht ist. Gedanken- und Gewissensfreiheit ist eine Forderung der Freimaurerei, die alle Maurer der Erde unter Wahrung vollkommener Autonomie und der Bestimmung brüderlich zu gemeinsamer Arbeit verbindet und verpflichtet. Der zweite Namensbestandteil, der Toleranzgedanke, bedeutet selbstver­ständlich nicht etwa nur Duldung anderer Gesinnung und anderer Art, das wäre unerträgliche Überheblichkeit; er beinhaltet die unbedingte Anerken­nung dieser Geistes- und Gewissensfreiheit, die Abkehr von jeder aufge­zwungenen dogmatischen Bindung. Die freimaurerische Grundüberzeugung setzt starrer Orthodoxie die Toleranz, dogmatischem Glauben die Religion tätiger Menschenliebe als wesentliche Merkmale sittlichen Strebens gegen­über. Das schließt eine persönliche religiöse Bindung natürlich nicht aus, aber diese persönliche Überzeugung gründet sich auf die Einsicht der sehr begrenzten Erkenntnisfähigkeit des Menschen, ist ein Gebot der Achtung vor allen Glaubenslehren, Ideen und Meinungen; nicht etwa, um dadurch zu bekunden, daß seinen Mitgliedern Dogmenglaube verboten oder gar ein atheistisches Bekenntnis zur Pflicht gemacht werde, sondern um den Gedan­ken der unbedingten Gewissensfreiheit noch schärfer hervortreten zu lassen.


Abgesehen von den üblichen Formen der drei rituellen Johannisgrade blieb die bisherige Arbeitsweise und geistige Ausrichtung der Loge unver­ändert, wie man unschwer an den dokumentierten Themenstellungen erken­nen kann, zumal der „Monismus“ als weltumstürzende Idee bereits vorher schon sang- und klanglos in der Versenkung verschwunden und die ehemals wilden Ideen der Freidenker durch hunderttausende von Kirchenaustritten überholt waren.


Die Mitgliederentwicklung war positiv und ihre Kurve stieg kontinu­ierlich an. Die vorwiegend international orientierte „Freie Forschung und Duldsamkeit“ und die altpreußische Loge „Alfred zur Linde“ arbeiteten ein Jahrzehnt friedlich und brüderlich in einem gemeinsamen Logenhaus. Ihre beiderseitigen Repräsentanten waren durch gegenseitige Ehrenmitglied­schaften freundschaftlich verbunden.


Was nun folgte ist nur aus den damaligen Zeitumständen erklärbar, den leider üblichen Zwistigkeiten Bruder Gerhard Loosen deutscher Großlogen. Einen zuverlässigen Hinweis auf die nun folgende unruhige Zeit im Logenleben verdanken wir einem Hinweis des Brs: Gerhard Loosen, der im VGL-Mitteilungsblatt Nr. 12/1955 erklärte: „Die Loge 'Schiller' in Essen ist aus der Loge 'Freie Forschung und Duldsamkeit' hervorgegangen. Sie entstand 1919 und hatte nach zehn Jahren bereits 110 Mitglieder. Durch die Auflösung des deut­schen Freimaurerbundes 1928 schien die Trennung der deutschen Freimau­rerei von der internationalen Freimaurerei vollzogen zu werden. Diesen Bestrebungen widersetzten sich 32 Brüder und traten dem 'Alten und Ange­nommenen Schottischen Ritus' bei. Deswegen wurden sie von der Großloge 'Zur Sonne' offiziell ausgeschlossen. Diese Brüder erbaten im Jahre 1931 von der Großloge von Wien als Tochter der Wiener Loge 'Schiller' aner­kannt zu werden und unter deren Konstitution arbeiten zu dürfen. Diesem Petitum wurde noch im selben Jahr stattgegeben. Nach dem Wiederaufleben der Logentätigkeit in Essen 1946 wurde der Patronatsname 'Schiller' wiederaufgenommen, während der Name 'Freie Forschung und Duldsam­keit' bis heute ungenutzt ist.“


Leider haben sich die Logenprotokolle dieser Zeit nicht erhalten. Bruder Thun Daß es dabei lediglich um sich dogmatisch gebärdende Besserwisserei ging, können wir auch den Worten des Brs: Thun, Meister vom Stuhl der Loge „Alfred zur Linde“ entnehmen, der anläßlich der Lichteinbringung in die Loge „Schiller“ im Jahre 1948 ausführte, „daß in der deutschen Freimaure­rei die Systemstreitigkeiten aufhören müßten, die zum unfehlbaren Papst­tum führen. Es sei die Grundlehre der Freimaurerei, jegliches Dogma abzu­lehnen. So wollen auch wir frühere Systemstreitigkeiten vergessen.“ „Zum Zeichen des guten Willens“, fügte der Protokollant hinzu, „überreichte er unseren Brüdern Schuh und Loosen das Bijou der Loge „Alfred zur Linde“ und damit wieder die Ehrenmitgliedschaft zurück, die diese Brüder im früheren Kampf niedergelegt hatten.“


Diesem Diktum ist zu entnehmen, daß etwa jeder dritte Bruder neben der Mitgliedschaft in der Johannisloge dem „Alten und Angenommenen Schottischen Ritus“ (AASR) beigetreten ist, ein von ihrer Großloge nicht anerkanntes System; daß die ausgetretenen Brüder die Mitgliedschaft unter der Obedienz der Wiener Großloge anstrebten und den Namen ihrer dorti­gen Mutterloge „Schiller“ annahmen. Über das Verhalten der verbleibenden 78 Brüder, die dem AASR nicht angehörten, wird nichts ausgesagt: ob sie sich mit ihren ausgeschlossenen Brüdern solidarisch erklärten, unter dem bisherigen Logennamen weiterarbeiteten, teilweise der Loge „Alfred zur Linde“ beitraten oder unter dem Druck der zu jener Zeit heftigen antifrei­maurerischen Agitation gedeckt haben. Derartige Fragen können, wenig­stens teilweise, nur durch einen Namensvergleich von Mitgliederlisten beider Logen beantwortet werden.

 

 
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