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Freimaurerloge 'Schiller'

Startseite arrow Logengeschichte arrow IX. Hochmitternacht 21.10.2017

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Kant
IX. Hochmitternacht Drucken
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde der Kampf gegen die Freimaurerei systematisch vorangetrieben. Zunächst hatte sich diese Regierung mit dem Gesetz zur Herstellung des Berufsbeam­tentums ein Instrumentarium geschaffen, um gegen Freimaurer im öffentli­chen Dienst vorgehen zu können und innerhalb des Sicherheitsdienstes der SS ein eigenes Freimaurerreferat gebildet. Wie beim Antisemitismus wurde der Nationalsozialismus zum „Erben“ und Vollstrecker der konfessionell bestimmten und säkularisierten Antifreimaurerei der völkischen Kreise der Zwischenkriegszeit. Die prägende Grundidee war dabei die Vorstellung von „jüdisch-orientalischen“ Grundlagen der Freimaurerei und das Bild einer freimaurerischen Weltverschwörung. Beide Vorstellungen waren somit nicht nur Bestandteil der „weltanschaulichen politischen Grundlagen“, sondern fanden auch Eingang in die „Rassenlehre“.

Seit Januar 1934 verfügte die Geheime Staatspolizei über ein eigenes Juden-, Freimaurer- und Emigrantenreferat. Bereits 1933 begann die syste­matische Verhaftung von Freimaurern, die Besetzung von Logenräumlich­keiten und Beschlagnahme von Archiven und Bibliotheken. Das aus den Logenhäusern geplünderte Gerät und Gebrauchsgut der Freimaurer wurde zu Wanderausstellungen zusammengestellt und sollte der Bevölkerung Belege dafür vorweisen, welch gespenstischen Geheimbund man ausge­löscht habe. Von den freimaurerischen Idealen der Toleranz, der Menschen­liebe, der Geistes- und Gewissensfreiheit war dabei natürlich nicht die Rede. Dafür wurden die in der Tat oft bombastischen Bezeichnungen von Hoch­graden und Ordensrittern ins Lächerliche gezogen und die alten überholten Eide, Phantastereien ihrer Zeit, als Beweis verwendet, ohne daß es möglich war, diese Verzerrungen klarzustellen oder aufzuklären.

Man mußte schon ziemlich naiv sein um die Zeichen der Zeit nicht erkennen zu können, zumal die Angehörigen einer Loge, die unter einer „ausländischen“ Obedienz arbeitete, deren internationale Kontakte den neuen Machthabern besonders anstößig vorkamen. Darum faßte die Bruder­schaft der Loge „Schiller“ am 24. März 1933 den Beschluß sich selbst aufzulösen und beauftragte ihr Mitglied Br: Gerhard Loosen, die dazu nöti­gen Schritte einzuleiten. Die Logenutensilien und Bücher wurden teils verbrannt, so sagte es jedenfalls Br: Carl Dinger in einem Protokoll; vieles aber verschwand in den Kellern der Brüder, so daß dann im Jahre 1948 jedes wieder seine bestimmte Funktion übernehmen konnte. Die Räume des bisherigen Logenquartiers wurden an den „Stahlhelm“ vermietet, der sich im allgemeinen freimaurerfreundlich verhielt. In diesem Soldatenverein glaubten viele Brüder dereinst fröhliche Urständ erleben zu können, eine glatte Fehleinschätzung, war diese von 1918 bis 1934 bestehende militaristi­sche Organisation, als „Bund der Frontsoldaten“ gegründet, doch ein Weg­bereiter des Faschismus. Immerhin aber wußten ihre Mitglieder, daß viele ihrer Kameraden, die dem Freimaurerbund als Mitglieder angehörten, im Feld treu ihre Pflicht erfüllt hatten. Das Deckungsersuchen der Essener Brüder an ihre Großloge in Wien wurde mit einem offziellen „Dec­kungszertifikat für die Deputationsloge 'Schiller' im Orient Essen“ beant­wortet und trägt das Datum vom 5. April 1933.

Die christlich und national orientierten Großlogen, die seit dem Kriegsausbruch im Jahre 1914 Schwierigkeiten mit der internationalen Kette hatten, glaubten in völliger Verkennung der politischen Lage durch Änderungen ihrer Namen, der Satzungen, Anpassung der Rituale usw. dem absehbaren Freimaurerverbot entgehen zu können und die neue Staatsfüh­rung von ihrer nationalen und antijüdischen Gesinnung zu überzeugen. Vergeblich: am 17. August 1935 wurde das endgültige Freimaurerverbot ausgesprochen. Der Reichsinnenminister berief sich dabei auf die Verord­nung zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 und im Hinblick auf den Vermögenseinzug auf das Gesetz vom 14. Juli 1933 über das Einziehen von volks- und staatsfeindlichem Vermögen. Damit war die Auflösung der Großlogen und Logen abgeschlossen, die Freimaurerei existierte im Deutschen Reich nicht mehr.

Schon vorher, beim letzten geselligen Beisammensein der Schwestern und Brüder der Loge „Alfred zur Linde“ im Essener Logenhaus am 20. Juli 1935 waren sich alle Beteiligten bewußt, daß die offizielle Schließung der Loge nur noch eine Frage von Tagen war. Die Loge zählte zu dieser Zeit noch 169 Brüder. Noch einmal, und zwar am 29. September 1935, kamen alle Brüder im Logenhaus zusammen. In Gegenwart des Gestapobeamten, Polizeikommissar Nolens, standen die Brüder in der Kette und sangen abschließend „Ein feste Burg ist unser Gott“. Die anschließende Beschlag­nahme des Logengebäudes und des Grundstückes durch die neuen Machtha­ber setzte dem offiziellen Logenleben in Essen einen Schlußstrich, zumal Versammlungen von Brüdern in jeder Form, also auch zu gemeinsamen Essen, Klubversammlungen und dergleichen verboten waren.
 
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