A A A

Freimaurerloge 'Schiller'

Startseite arrow Logengeschichte arrow X. Die Loge im Dunkeln 16.12.2017

Hauptmenü

Startseite
Suche
Kontakt
Weblinks
Impressum

Artikel

Logengeschichte
Unser Namenspatron
Kant
X. Die Loge im Dunkeln Drucken
Man kann nicht erwarten, daß jeder sich zum Märtyrer eigne, aber man muß von einem Freimaurer erwarten, daß er Haltung bewahrt, wenn ihm Ungeist, Arroganz und Brutalität begegnen. Es gab diese Brüder in allen Großlogen, mutige Bekenner, die ohne den Schutz ihrer Großloge das Freimaurertum für sich nicht aufgaben und nicht verleugneten, sondern in der Stille wirkten und das Licht durch die Dunkelheit trugen. Trotz des Verbotes fanden sie den Mut, sich mehr oder weniger regelmäßig unter Fantasienamen in öffent­lichen Gaststätten oder privat zu treffen: Das geschah in dieser Zeit der Verfolgung in Gasthaus-Hinterzimmern, privaten Räumen, in Theaterkel­lern und sonstigen behelfsmäßigen Unterkünften, und es erwies sich in diesen Jahren der Finsternis, in denenen das freimaurerische Licht nicht brennen durfte, welche Brüder wirklich treu und unerschütterlich zu ihrem Bunde standen. 26 Brüder der ehemaligen Loge „Alfred zur Linde“ trafen sich mittwochs im „Essener Hof“ als „Trampelklub“ getarnt; ca. 12 bis 15 Brüder der ehemaligen Loge „Schiller“ ebenfalls unter diesem Tarnnamen oder als Kegelklub wöchentlich im „Essener Hof“ oder „Kaiserhof“ um ihre brüderlichen Kontakte weiterhin zu pflegen. Das war durchaus nicht so ungefährlich, wie es sich anhört, denn das sogenannte nationalsozialistische „Heimtücke-Gesetz“ wurde immer dann angewandt, wenn festgestellt wurde, daß der brüderliche Zusammenhalt unter den Freimaurern durch die Auflösung der Logen nicht unterbrochen war und sie sich dennoch trafen oder an dem kleinen blauen Zeichen, dem 'Vergißmeinnicht' erkannten. Aber vom einfachen Mitläufer, der aus beruflichen Gründen mit „den Wolfen heulte“ bis zu Gestapobeamten gab es Leute, die persönlich Brutali­täten gegenüber bisher unbescholtenen Bürgern ablehnten. Somit scheinen die Essener Freimaurer, gemessen an den Verfolgungen von Mitgliedern anderer, dem neuen Regime unerwünschter Organisationen, im allgemeinen recht wenig gelitten zu haben, schreibt Br: Edgar Stroh, der Akten im Düsseldorfer Staatsarchiv durchgesehen hatte. Die Vernehmungsprotokolle, offensichtlich von der Geheimen Staatspolizei durchgeführt, endeten allge­mein mit der Beurteilung „nicht staatsgefährdend“. Allerdings beschreibt er weit ernstere Fälle: „Wenngleich man sich allwöchentlich zum 'fröhlichen Umtrunk' zusammenfand, lebte man doch in gewisser Unruhe. Man fühlte sich beobachtet und wußte es. Am 16. Juni 1934 wurde eine Geburtstags­feier des Bruders Rudolf Ramge, bei der fast alle Brüder waren, von der Gestapo kontrolliert. Personalien wurden aufgenommen und die Wohnung überprüft und Schriftstücke und Zeitungen konfisziert. Er wurde als Judenfreund und aktiver SPD-Mann erkannt. Bald darauf wurde er verhaftet und von da an nicht wiedergesehen. Er soll, so sagt es die Geschichte, in einem Konzentrationslager verstorben sein. Sein richtiger Weg ist nicht bekannt.“ Auch ein weiterer Bruder, Hugo Friedrichs, hatte sich der neuen Staatsmacht verdächtig gemacht und wurde denunziert, vielleicht aus Neidkomplexen heraus oder er hatte sich bei dienstlich Untergebenen aus irgendwelchen Gründen unbeliebt gemacht. Er war technischer Leiter der städtischen Krankenanstalten in Essen, wurde verhaftet, lange Zeit in Poli­zeigewahrsam gehalten und verlor seine berufliche Stellung. Akten über diesen Vorgang sind leider nicht mehr auffindbar. Nach seiner Haftentlas­sung gaben ihm die Brüder und Schwestern ein kleines Fest.

Während die Auflösung der Großlogen und Logen in Deutschland, die Beschlagnahme ihrer Vermögen und die Liquidation ihres Eigentums 1935 abgeschlossen war, verstärkte sich die Verfolgung von Freimaurern im zweiten Weltkrieg. Der Mentalität der Mächtigen entsprechend sah man wiederum in ihnen die Schuldigen für diesen Krieg. In einem sogenannten „Führererlaß“ vom 1. März 1942 an alle Dienststellen der Wehrmacht, der Partei und des Staates heißt es z.B: „Juden, Freimaurer und die mit ihnen verbündeten weltanschaulichen Gegner des Nationalsozialismus sind die Urheber des jetztigen gegen das Reich gerichteten Krieges. Die planmäßige geistige Bekämpfung dieser Mächte ist eine kriegsnotwendige Aufgabe.“

Von 4.800 in einer Aufstellung enthaltenen Freimaurern, das sind etwa 6% der 80.000 deutschen Freimaurer vor der Naziherrschaft, sind zwischen 1933/45: ca. 1750 eines natürlichen Todes gestorben; 62 von den Nazis ermordet, 238 aus Deutschland vertrieben, 133 verschollen, 254 hatten Vermögensschäden erlitten, 377 Amt und Beruf verloren, 285 im Beruf geschädigt, 53 ins Konzentrationslager verschleppt, und 44 haben aktiven Widerstand geleistet. Daneben gab es aber auch jene kollaborations­bereiten Mitglieder, die trotz des freimaurerischen Makels überraschend Karriere zu machen wußten.
 
< zurück   weiter >
[ Zurück ]
 
TOP