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Freimaurerloge 'Schiller'

Startseite arrow Unser Namenspatron arrow VI. War Schiller Freimaurer? 16.12.2017

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VI. War Schiller Freimaurer? Drucken
Die Frage, ob Schiller Freimaurer war, ist oft gestellt worden, da in seinen Werken maurerische Anschauungen ihren Ausdruck finden. Auch ist er vielfach aufgefordert worden, dem Bund beizutreten. In einem Brief an Körner schreibt Schiller, daß Johann Joachim Christoph Bode ihn habe veranlassen wollen, dem Freimaurerbund beizutreten. Körner jedoch riet ihm zu diesem Zeitpunkt ab, da Bode ihn nur für die Illuminaten werde gewinnen wollen. Der Illuminatenorden war ein radikal-aufklärerischer Geheimbund, der die Veränderung politischer Verhältnisse anstrebte. Zwar gehörte neben Herder und Goethe auch Herzog Carl August von Weimar diesem Bund an, doch trennten sich diese Männer jedoch umgehend von dieser Gesellschaft und haben, wenigstens Goethe, nur eine einzige derartige Versammlung besucht.

Johann Joachim Christoph Bode (1730-1793), Übersetzzer und Lehrer der neueren Sprachen, stand in Verbindung mit zahlreichen bedeutenden Männern seiner Zeit und gehört den eifrigsten und hervorragendsten deutschen Freimaurern des 18. Jahrhunderts.

Von Schiller selbst liegen keine Zeugnisse über eine Logenzugehörigkeit vor. Fest steht nur, daß er im Jahre 1787 dem Freimaurerbund noch nicht angehörte, denn er schrieb im zehnten Brief über Don Carlos:

Bin weder Illuminat noch Maurer, aber wenn die Verbrüderungen einen moralischen Zweck miteinander gemein haben, und wenn dieser Zweck für die menschliche Gesellschaft der wichtigste ist, so muß er mit demjenigen, den Marquis Posa sich vorsetzte, mindestens sehr nahe verwandt sein. Was jene durch eine geheime Verbindung mehrerer durch die Welt zerstreuter tätiger Mitglieder zu erreichen suchen, will der letztere durch ein einziges Subjekt ausführen.

Mit anderen Worten: Schiller stellt in der literarischen Figur des Marquis Posa aus den weltanschaulichen Drama Don Carlos die Idealfigur eines Freimaurers vor.

Wenn Schiller schließlich doch noch dem Freimaurerbund beigetreten ist, könnte er theoretisch nur einer Loge in Rudolstadt, Jena oder Weimar als Mitglied angehört haben. Die beiden letztgenannten Orte sind auszuschließen, da die Logen in Jena ihre Arbeiten bereits im Jahre 1764 eingestellt hatten und die berühmte Loge Amalia in Weimar, der auch Carl August von Weimar, Herder und Goethe angehörten, während Schillers dortigem Aufenthalt inaktiv war. Sie war seit dem Jahre 1782 untätig und nahm erst im Jahre 1808, also nach Schillers Tod, die Arbeiten wieder auf. In Frage kommt daher nur die Loge Günther zum stehenden Löwen in Rudolstadt. Diese Loge wurde am 21. September 1785 gegründet und gehörte als Mitgliedsloge dem Eklektischen Freimaurerbund in Frankfurt am Main und Wetzlar an. In den Jahren 1793 bis 1801 stellte sie ihre Arbeit ein. Im Jahre 1839 schließlich wurde sie aufgelöst. Für Schillers Mitgliedschaft in dieser Bauhütte sprechen einige zeitgenössische Aussagen:

Bereits 1921 veröffentlichte Stephan Kekule von Stradonitz in der in Berlin erscheinenden Zeitschrift Herold ein Gedicht des Freimaurers Anton von Klein mit der Überschrift Des Br[uder] Schillers Verewigung. Anton von Klein war kurfürstlicher Hofrat, Sprachforscher, Professor der Dichtkunst und Philosophie und ein Freund Schillers aus dessen Mannheimer Zeit. Er war Mitglied der Mannheimer Loge Carl zur Eintracht.

Anton von Klein (1748-1810), Dichter und Librettist, Freund Schillers aus dessen Mannheimer Zeit. War nach der Auflösung des Jesuitenordens durch die Bulle Dominus ac Redemptor noster vom 16. August 1773 durch Papst Clemens XIV., dem er angehört hatte, in den Staatsdienst getreten und Professor der Dichtkunst und Philosophie in Mannheim geworden. Seinen Singspieltext Günther von Schwarzburg hatte 1776 Ignaz Jakob Holzbauer, Hofkapellmeister in Mannheim, vertont (Premiere am 5.1.1777, Mannheim), das erste und erstaunlich gut gelungene Beispiel einer deutschen Oper. Mozart, der das Werk in Mannheim kennenlernte, war von der Musik, weniger jedoch vom Text begeistert. Klein schrieb außerdem ein Drama Rudolph von Habsburg und übersandte 1785 den Text seinem Freimaurerbruder Mozart nach Wien, der jedoch hinhaltend antwortete. Klein arbeitete dann das Libretto zu einem 1787 erschienenen Trauerspiel um.

In einem Brief aus dem Jahre 1839 teilten zwei Rudolstädter Freimaurer das Eingehen ihrer Loge Günther zum stehenden Löwen mit und beklagten damit das Los ihrer Bauhütte, die durch die Aufnahme eines Schiller geehrt worden sei. Aufgrund dieser Briefveröffentlichung ging der Freimaurer-Historiker Ludwig Keller der Familientradition nach und befragte Schillers Urenkel Alexander von Gleichen-Rußwurm, der bestätigte, daß er zwar keine Urkunde voller Beweiskraft in Händen habe, daß aber Schiller nach der Familientradition Freimaurer gewesen sei. Danach habe der damalige Stuhlmeister der Loge Günther zum stehenden Löwen, Wilhelm Heinrich Karl Freiherr von Gleichen-Rußwurm (den späteren Schwiegervater von Schillers Tochter Emilie Henriette Friederike, 1804-1873) den Dichter der Loge zugeführt, diese Angelegenheit sei aber geheimgehalten worden. Für diese Version spricht auch, daß Karl Friedrich Ludwig Freiherr von Schiller (1793-1857), württembergischer Oberförster in Lorch, ein Sohn des Dichters, im Jahre 1815 in die Weimarer Loge Amalia aufgenommen wurde.

Freimaurerische Bezüge sind in Schillers Werken nahezu aller Schaffensperioden vielfach zu finden. Wir beschränken uns auf zwei bekannte Werke Schillers, auf den Don Carlos und auf die bekannte Ode An die Freude.
 
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